Hiiumaa – Tallinn

Fähre und Fahrt nach Tallinn

Nach so viel Kultur und Geschichte auf Hiiuma bin ich abends noch zur Fähre, die mich aufs Festland zurückbringen soll. Sie geht wieder erst recht spät. Ich vertreibe mir das Warten mit dem Update des Blogs.

Dann endlich ist sie aus der Gegenrichtung im Anmarsch. Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn diese Fähren ihre riesige Klappe an der Front öffnen. Es sieht dann aus wie ein aufgerissenes Haifischmaul.

Die Überfahrt ist mit 1,5 Std. recht weit. Die Hinfahrt von Virtsu auf die Insel Saaremaa war halb so lang, dafür aber doppelt so teuer. Auf diesen nicht so oft touristisch genutzten Fährstrecken sind Preise deutlich niedriger. Bei der Ankunft in Happsalu fährt man direkt am dortigen Bahnhof vorbei. So etwas tolles hab ich selten gesehen. Er wurde einst extra für den Zaren gebaut und so sieht er auch aus. Fantastisch! Obwohl es bereits 22:00 Uhr ist und ich noch ca. 1 Stunde Fahrt vor mir habe, muss ich anhalten und mir das anschauen.

Bahnhof Happsalu
Bahnhof Happsalu
Bahnhof Happsalu

Vor dem Bahnhof stehen eine ganze Reihe alter Lokomotiven. Auch die sind top in Schuss und absolut sehenswert.

Alte Lok in Happsalu

Ich fahre noch ein Stück weiter die Küste entlang nordwärts. Dort hatte ich mir bereits einen tollen Campingplatz mit Restaurant und Duschen rausgesucht. Mich plagt ein tierischer Hunger nach dem langen Tag auf Hiiuma und ich bekomme in dem Camping-Restaurant tatsächlich so spät noch einen leckeren gegrillten Lachs. Unter der Dusche am nächsten Morgen kann ich dann endlich mal wieder Haare waschen! Diesmal ohne einheimische Fönwelle.

Tallinn

Frisch geduscht geht es dann auf nach Tallinn. Ich habe mich dazu durchgerungen, Tallinn wenigstens einen halben Tag Stadtbesichtigung zu widmen. In Tallinn finde ich sogar recht schnell ein Parkhaus und das auch noch direkt bei der Altstadt. So ein tolles Parkhaus habe ich noch nie gesehen. Super modern ausgestattet, aber das Ambiente wie in einem alten Kloster mit dicken Steinmauern, kleinen Strahlern um die Mauern zu beleuchten, unglaublich viel Platz zwischen den Reihen.

Aus dem Parkhaus kommend bin ich direkt an der Stadtmauer. Hier ist gar nicht so viel los, wie ich befürchtet hatte. Noch nicht!

Stadtmauer Tallinn

Kurz darauf bin ich mitten drin in der Altstadt. Hier stehen die „3 Schwestern“, die ältesten original erhaltenen Häuser in Tallinn. Sie sind das Pendant zu den „3 Brüdern“ in Riga.

3 Schwestern in Tallinn

Und plötzlich nimmt die Anzahl der Touristen schlagartig zu. Zwei riesige Kreuzfahrtschiffe haben angelegt und fluten die Stadt mit ihren Passagieren.

Tallinn
Tallinn
Tallinn

Es werden immer mehr, man wird im Getümmel bald nur noch vorwärts geschoben. Als kein Bild mit weniger als 100 Personen darauf mehr möglich ist, flüchte ich aus der Menge in das Restaurant „Pfeffersack“. Es ist ein historisches Gebäude der Hanse. Und Pfeffersäcke war die (etwas abfällige) Bezeichnung der damaligen Kaufmannsleute, ebenso wie übrigens in Hamburg.

Restaurant Pfeffersack in Tallinn

Ein richtig gutes Restaurant mit Bedienungen in alter Tracht und traditioneller estnischer Küche. Hier drin war es angenehm ruhig, die ganzen Kreuzfahrer bekommen ja reichlich Essen auf dem Schiff. Und nach meiner Mittagspause wurde es auch schlagartig wieder ruhig in der Stadt. Die Kreuzfahrer hatten wohl nur 3 Stunden Landgang und mussten zurück aufs Schiff.

Stadttor von Tallinn
Pferdekutsche in Tallinn

In solch einer Pferdekutschen lässt sich die Altstadt von Tallinn bequem besichtigen. Außerdem wurden Fahrten durch die Altstadt mit einer Fahrrad-Rickscha angeboten. Auf meine Nachfrage nach dem Preis für die Altstadttour wurden mir 50,- € genannt!!! Ich habe dankend abgelehnt.

Ich habe mir danach einen Schlafplatz direkt am Stadtrand gesucht, da ich am nächsten Morgen schon um 6:00 wieder am Hafen sein musste für den Check-in zur Fähre nach Helsinki. Den restlichen Abend nutze ich wieder für den Blog. Dabei überfordere ich wohl eine Steckdose. An ihr hing das Modem, sowie das Notebook zum Aufladen. Und am Notebook hing noch die Kamera zum Übertragen der Bilder. Das Ganze 3 Stunden lang. Und dann war plötzlich alles zappenduster …