Der Hallingsafallet auf dem Vildmarksvägen

Der Vildmarksvägen wird als eine der landschaftlich schönsten Strecken Schwedens angepriesen. Hierzu muss man die E45 bei Strömsund verlassen und fährt auf einem Bogen durchs Bergland und bei Vilhelmina dann wieder zurück auf die E45.

30.8. Hallingsafallet

Es hat zwar die ganze Nacht durch geregnet, aber der Tag beginnt wieder mit strahlendem Sonnenschein. Die Strecke des Vildmarksvägen führt zunächst an einer traumhaft schönen Seenlandschaft vorbei. Die Ufer der Seen sind mit Birken gesäumt, deren weiße Stämme in der Morgensonne leuchten vor dem Blau der Seen, in denen sich der Himmel spiegelt. Ein fanstatisches Bild, das man mit der Kamera fast nicht einfangen kann.

Und dann geht es langsam hinauf in die Berge.

Ich will mir einen der spektakulären Wasserfälle auf dieser Strecke anschauen, den Hallingsafallet. Er liegt etwas abseits des Vildmarksvägen. Als das Schild dorthin auftaucht, zweige ich von der Strecke ab.

Und befinde mich sofort auf der übelsten Schotterpiste, die ich bisher erlebt habe. Übersät mit Schlaglöchern. Durch den Regen in der Nacht sind sie alle mit Wasser gefüllt, so dass nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, wie tief sie sind. Allen auszuweichen ist unmöglich, ich kann nur versuchen, die größten zu umfahren. Mein Fahrstil gleicht dem Zickzackkurs eines flüchtenden Karnickels, das ständig Haken schlägt. Zum Glück bin ich hier ganz alleine, denn ich brauche die ganze Breite der Schotterpiste.

Da ich noch circa. 30 km vor mir habe, wird mir die Zeit bei Tempo 30 – 40 kmh ziemlich lang. Es ist außerdem super anstrengend, gleichzeitig auf alle Schlaglöcher zu achten, die wunderbaren Ausblicke der Landschaft zu genießen und außerdem noch auf Tiere zu achten, die hier in dieser Abgeschiedenheit zahlreich die Piste kreuzen.

Bei einem Auerhahn habe ich genügend Zeit. Er bleibt seelenruhig sitzen bis ich fotografiert habe. Alle anderen, wie Rentiere, Rehe, Karnickel sind zu schnell wieder im Dickicht entlang der Piste verschwunden.

Nach gefühlter Ewigkeit und ca. 5.000 Schlaglöchern, denen ich nicht ausweichen konnte, erreiche ich dann endlich den Parkplatz für die Wanderung zum Wasserfall.

Der Hallingsfallet

Die Wanderung zu diesem Wasserfall wird zu einem imposanten Erlebnis. Der Weg führt zunächst ca. 3 km entlang des Wassers und dann entlang des ca. 800 m langen Canyons. Das Wasser hat sich hier in Millionen von Jahren in den Fels gegraben und einen Canyon mit ca. 60 m hohen Wänden geformt.

Und dann verschlägt es mir die Sprache, als ich den Wasserfall erreiche.

Über 43 m fällt das Wasser hier senkrecht nach unten. Eine Brücke führt direkt über die Kante, an der das Wasser nach unten stürzt. Steht man auf dieser Brück direkt über diesem Absturz hat man das Gefühl, es zieht einem jeden Moment die Beine weg und reißt einen mit nach unten.

Von der anderen Seite eröffnet sich dann ein weiteres spektakuläres Bild. In dem Wassernebel der aufschäumenden Gischt bildet sich ein fantastischer Regenbogen, bzw. soar zwei, je nach Winkel aus dem man schaut.

Die Schlaglochpiste hat sich absolut gelohnt!!
Allerdings stehen mir nochmal ca. 25 km Schlaglöcher bevor, bis ich bei Gäddeke wieder zurück auf den Vildmarksvägen gelange.

In Gäddeke versorge ich mich im Tourist-Büro mit Infos über die Gegend und mögliche Aktivitäten. Dort erfahre ich auch, dass ich gerade durch ein Gebiet gefahren bin, dass die weltweit größte Dichte an Bären hat. Sie sind zwar etwas kleiner als in Alaska, aber dafür sehr zahlreich. Allerdings meinte die Dame des Tourist-Office, es wäre höchst selten, dass man einen zu Gesicht bekommt, sie wären überaus scheu.

Bei den Infos, die ich erhalten habe, wird eine geführte Tour durch eine Tropfstein-Höhle beschrieben. Das interessiert mich. Leider funktioniert das Internet nicht und bei meinem Versuch, den Anbieter telefonisch zu erreichen nimmt niemand ab. Schade.

Ich fahre deshalb weiter bis auf den Pass Stekenjokk hinauf. Hier oben auf 870 m Höhe suche ich mir einen Übernachtungsplatz.

Zum Abendessen gibt es eine regionale Spezialität, die ich unterwegs eingekauft hatte: Mandelpoteter. Das sind ganz kleine Kartoffeln. Sie werden nicht einfach früher geerntet, sondern es ist einer spezielle Sorte, die nicht größer wird.

Ich verarbeite sie zu Bratkartoffeln mit Gemüse. Sie sind unglaublich aromatisch.

Um ca. 21 Uhr klingelt dann mein Handy. Der Anbieter der Höhlentour meldet sich. Er hatte gesehen, dass ich versucht habe ihn zu erreichen und ruft deshalb zurück. Finde ich toll.

Ich frage ihn, ob er in den nächsten Tagen diese Höhlentour anbieten kann. Seine Antwort: Ja, morgen früh um 9 Uhr. Eine Gruppe von 6 Leuten hat die Tour gebucht und einer musste absagen. Der Platz wäre frei. Und es wäre die letzte Tour für dieses Jahr!

WOW. Ich sage natürlich sofort zu. Wir klären dann noch telefonisch die Details, wie Treffpunkt, Ausrüstung, Dauer, etc.
Dann packe ich meinen ganzen Kram wieder zusammen, so dass ich vom Pass wieder runter fahren kann. Ich muss ca. eine Stunde die Strecke zurückfahren. Wir wollten uns direkt auf dem Parkplatz treffen, wo die Tour losgeht. Und da ich bereits um 9 Uhr morgen früh dort sein soll, fahre ich diese Stunde lieber heute Abend noch, als morgen noch früher los zu müssen.

Ich finde den geschilderten Parkplatz auf Anhieb und verbringe dann dort die Nacht.

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